So, hier findet Ihr insgesamt drei Leseproben ich hoffe, Ihr habt ein wenig Spass damit. Hier Leseprobe 1:

So eine Scheiße.

So eine verfickte Scheiße, dachte Baumann und schnappte gierig nach Luft. Ein dünner Faden Erbrochenes hing an seinem unrasierten Kinn. Baumann wischte sich mit seinem nassen Jackenärmel über den Mund und sah hinüber zu dem Mann, der reglos und seltsam verrenkt, wie eine zerbrochene Gliederpuppe, auf dem Bürgersteig lag. Niemand schien etwas bemerkt zu haben, nirgendwo wurde Licht eingeschaltet, nirgendwo öffnete sich eine Tür oder wurden fragende Stimmen laut.

    Baumann ging langsam hinüber zu dem Unbekannten, der blicklos in den nächtlichen Himmel starrte. Blut trat am Hinterkopf aus und vermischte sich mit dem Regenwasser zu einer hellroten Pfütze. Baumann hockte sich neben ihn und legte ihm zwei Finger an die Halsschlagader, konnte aber keinen Puls fühlen.

    Baumann nahm sein Handy und wählte den Polizeinotruf.

    Was für eine verfickte Riesenscheiße.

    Dabei hatte vor einer Stunde noch alles so easy ausgesehen:

 

 

Es schüttete wie aus Eimern.

Baumann fluchte herzhaft und trat genervt gegen den Stamm der mächtigen Kastanie, unter der er Schutz gesucht hatte. Als wenn der arme Baum was dafür gekonnt hätte.
    Baumann schlug fröstelnd den Kragen seiner Lederjacke hoch, kniff die Augen zusammen und versuchte sich wieder auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Was einfacher gesagt, als getan war. Denn die meisten der altersschwachen Straßenlaternen hatten schon vor Jahren den Dienst eingestellt. Wie sollte man da was sehen bei diesem Dreckswetter?

    Warum Baumann dann überhaupt unterwegs war?

    Ganz einfach – er war Privatdetektiv.

 

Frank Baumann

Privatdetektiv

 

    So stand es jedenfalls auf seiner Visitenkarte. Und deswegen stand er hier sozusagen professionell rum. Unter der Kastanie, die ihn zwar gut vor neugierigen Blicken schützte, aber den Regen schon lange nicht mehr abhielt.

    Baumann hätte sich in den Arsch beißen können. Die letzten drei Tage hatte er den Eingang der Wenz`schen Behausung von seinem Auto aus observiert. Aber ausgerechnet heute hatte er sich in einem Anfall geistiger Umnachtung überlegt, dass sein knallroter Alfa vielleicht doch ein wenig auffällig wäre und hatte beschlossen, die Überwachung aus dem Grünzeug gegenüber fortzusetzen. Scheiß Idee.

    Baumann starrte die Straße runter, auf die es unentwegt pladderte. Mittlerweile hätte man in jeder Pfütze mühelos seinen Freischwimmer machen können. Baumann hasste diese Nässe, die Kälte sowieso und gerade auch mal wieder seinen verdammten Job. Er hätte Versicherungsvertreter bleiben sollen. Da würde er jetzt irgendwo in einer warmen Bude hocken, Kaffee trinken und alten Omis Rollatordiebstahlversicherungen andrehen. Aber nein, er musste ja unbedingt Privatdetektiv werden.

    Baumann kramte in seinen Taschen nach Aspirin. Jetzt bekam er auch noch Kopfschmerzen von dem Scheißwetter. Konnte aber auch an der Sauferei gestern Abend liegen. Oder die notgeile Tippse hatte ihm bei Pitter k.o.-Tropfen ins Glas gekippt. Ja, so musste es gewesen sein, dachte er und grinste dünn.

    Schon klar, klingt bescheuert. Ist auch bescheuert. Aber andere saufen sich ihre Frau schön, Baumann redet sich den Suff schön. 

    Kein Aspirin.

    Baumann zuckte die Schultern.

    War sowieso was für Weicheier.

 

    Endlich. Ein feister Typ im Lodenmantel walzte mit kurzen, schnellen Schritten um die Straßenecke. Sein hochgeschlagener Mantelkragen, der regengetränkte Hut und ein grauer Schirm verdeckten das Gesicht. Zielsicher steuerte der Fremde den Eingang von Nr. 14 an und klappte seinen Schirm zu. Baumann stierte angestrengt durch den dichten Nieselregen. Obwohl er das Gesicht unter der schwachen Eingangsbeleuchtung nicht wirklich erkennen konnte, hatte er das unbestimmte Gefühl, dass er den Kerl schon mal irgendwo gesehen hatte. Aber er kam nicht drauf, denn noch bevor der Besucher die Türklingel betätigen konnte, öffnete Frau Wenz die Tür, warf einen besorgten Blick in die Nacht und ließ den Fremden ein.

    In der Küche brannte Licht. Der Besucher, inzwischen ohne Hut und Mantel, setzte sich an den Küchentisch. Frau Wenz werkelte übertrieben hektisch in der Küche, plapperte dabei ununterbrochen, kramte im Kühlschrank und stellte Gläser und Getränke auf den Tisch. Und zog resolut die Vorhänge zu. 

     Super timing.

   Ein Königreich für ein Richtmikrofon, dachte Baumann und seufzte. Hatte er aber gerade genauso wenig parat wie die Lauscher von Superman. Baumann lehnte sich frustriert an die Kastanie. Regenwasser lief die kratzigen Riefen des Stammes hinab und weiches Harz pappte hartnäckig an seiner Jacke. Am liebsten hätte er jetzt hingeschmissen. Da er aber sowieso schon bis auf die Haut nass war, beschloss er zähneknirschend abzuwarten und dem Fremden zu folgen, wenn der sich wieder auf den Weg machte. 

    Um sich abzulenken stellte er ein paar Überlegungen bezüglich wetterfester Kleidung für Privatdetektive an. Beheizbare Neoprenanzüge wären nicht übel, aber bei einer unauffälligen Beschattung eher hinderlich. Besonders mit Flossen. Oder wenn man pinkeln musste, ergänzte er, weil er jetzt tatsächlich musste. Baumann fummelte an seinem Reißverschluss. Prompt ging das Licht in der Küche aus. Baumann fluchte verhalten, vergaß seine Sextanerblase und duckte sich wieder in das Dunkel. 

    Keinen Moment zu früh. Denn schon öffnete sich die Haustür und der Fremde erschien, verabschiedete sich per Handschlag von Frau Wenz, schlug seinen Mantelkragen hoch und nahm entschlossen den aussichtslosen Kampf gegen die Elemente auf. Jetzt hatte er auch noch den Schirm vergessen.

    Baumann grinste boshaft.

    Was für ein Blödmann.

  Am Ende der Straße wurde ein dunkler Volvo angelassen, gerade als sich Baumann aus dem nachtschwarzen Schatten seiner Lieblingskastanie schälen und die Verfolgung aufnehmen wollte. Unwillig sprang der Schwedenbrummer an und lief dann brabbelnd im Leerlauf.

    Wieso sitzt der Idiot denn bei so einem Scheißwetter im Auto und friert sich den Arsch ab?

    Vielleicht ist Schwiegermutter zu Besuch?

   Wär `ne Möglichkeit, beendete Baumann die Auseinandersetzung mit seinem Alter Ego und verzog sich wieder hinter die Kastanie.

     Verpiss dich endlich, Schwachkopf.

    Und als hätte er nur auf das Kommando gewartet, rollte der Volvo langsam mit abgeblendeten Scheinwerfern los.

    Wurde aber auch Zeit.

    Der Fahrer schaltete in den zweiten und dritten Gang, beschleunigte was die alte Karre hergab, polterte auf den Gehweg und fuhr den Fremden über den Haufen.

 

    Der Volvo hatte den Zusammenstoss wesentlich besser überstanden als Mister Unbekannt. Schwedische Wertarbeit eben. Baumann hatte auch mal überlegt, sich einen zuzulegen. Der Volvo verschwand mit durchdrehenden Reifen an der nächsten Kreuzung.

    Baumann wäre jetzt auch gerne verschwunden.

    Aber seine Beine wollten sich einfach nicht bewegen.

    Nur sein Magen wollte.

    Baumann kotzte seine Lieblingskastanie voll.   

News

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